Ein liebender Mann Literaturgespräch mit Lis Grandl-Arnoldi
Literaturgespräch mit Lis Grandl-Arnoldi im Café Miteinander am Mittwoch, 20.5.2026 um 19 Uhr zu Martin Walsers Roman „Ein liebender Mann“. Goethes letzte Liebe (erschienen 2008).
In seinem Roman spürt der Autor Martin Walser (1927 – 2023) seinem großen literarischen Vorbild Goethe nach, genauer, dessen Liebesleben. Walser, selbst schon in hohem Alter, als sein Roman erschien (81 J.), erzählt von Goethes „unmöglicher“ Liebe, die der mit 74 Jahren für eine 19 Jahre alte böhmische Adelige empfand, ein Altersunterschied von 55 Jahren, der auch Goethe durchaus bewusst war, der ihn jedoch nicht daran hinderte, um die junge Frau zu freien und ihr einen Heiratsantrag zu machen. Die Reaktion der jungen Ulrike von Levetzow bleibt im Unklaren, um so klarer dafür die Reaktion von deren Mutter, Amalie von Levetzow: Sie packt ihre drei Töchter und verlässt umgehend den Kur- und Badeort Marienbad, wo sie alljährlich mit ihren Töchtern weilt und seit Jahren schon auf den Geheimen Rat Johann Wolfgang von Goethe trifft. Davor setzt Goethe jedoch alles daran, um der jungen Ulrike nahe zu kommen. Er sonnt sich in ihrer Begleitung, fühlt sich durch sie sichtlich verjüngt. Und doch holt ihn sein Alter furchtbar ein bei einem Sturz während eines Spaziergangs mit Ulrike. Aber selbst das bringt ihn nicht zur Vernunft. Aus der Heirat wurde nichts, Ulrike von Levetzow hat aber auch nie geheiratet, Goethe tat das, was er bei all seinen Liebesabenteuern immer tat: Er machte Literatur daraus. Auf diese Weise entstand seine berühmte „Marienbader Elegie“.