Lis Grandl-Arnoldi stellt das Werk „Schachnovelle“ vor.

Einladung zum Literaturgespräch im Café Miteinander am Mittwoch, 16. September 2026, um 19 Uhr.

Stefan Zweig (1881-1942) ist einer der bekanntesten Schriftsteller der Exil-Literatur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der seiner jüdischen Herkunft wegen, vor allem aber durch seine Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie, die seiner Meinung nach zu einer Zerstörung der Demokratie und darüber hinaus zu einem geistigen Verfall kultureller Werte in Deutschland und seiner Heimat Österreich führen musste, sehr schnell in die Fänge der Nationalsozialisten geriet. Um einer Verhaftung zu entgehen, floh er 1934 deshalb aus seiner Heimatstadt Wien. Seine Flucht führte ihn über Großbritannien in die USA und schließlich nach Brasilien, wo er bis zu seinem freiwilligen Lebensende blieb.

In seinem Werk „Schachnovelle“ nimmt Stefan Zweig Bezug auf die Situation Österreichs nach dem Anschluss ans Deutsche Reich 1938, als Verhaftungen von jüdischen und allgemein dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstehenden Personen bald an der Tagesordnung waren.

Einen solchen Fall schildert die „Schachnovelle“. Ein jüdischer Vermögensanwalt wird in Wien monatelang in Isolationshaft gehalten und immer wieder verhört, um Geständnisse über den Verbleib kirchlicher und jüdischer Vermögen aus ihm herauszupressen. Der geistigen Leere entgeht Dr. B, so seine anonyme Bezeichnung, irgendwann dadurch, dass ihm ein Buch in die Hände gerät, in dem sich jedoch nicht, wie von ihm erhofft, anregende literarische Texte befanden, sondern lediglich wortlose Abbildungen von Schachpartien. In seiner Verzweiflung lernt er diese auswendig, bis sie sich in seinem Kopf derart verselbständigen, dass er zu keinen anderen Gedanken mehr fähig ist. Er gerät in eine schwere psychische Krise, die schließlich zu seinem vollständigen geistigen Zusammenbruch führen. Als Informant wertlos geworden, wird Dr. B. aus der Haft entlassen und mit Hilfe der Kirche ins Ausland verbracht. Doch die Vergangenheit holt ihn dort eines Tages auf fürchterliche Weise ein.

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