Literaturgespräch am 15.07. um 19:00 im Café Miteinander: Lis Grandl-Arnoldi bespricht den Roman „Stay away from Gretchen“ von Susanne Abel

Susanne Abel, geboren 1958, hat sich relativ spät ausschließlich dem Schreiben gewidmet, dafür aber umso intensiver. Gleich mit ihrem Debütroman, „Stay away from Gretchen. Eine unmögliche Liebe“., erschienen 2021, landete sie einen Treffer auf der Bestsellerliste des SPIEGEL, wo er sich monatelang hielt. Offensichtlich hat Susanne Abel mit ihrem Roman ein Thema bearbeitet, das viele Menschen interessiert und auch berührt.

Worum geht es also? Kurz gefasst behandelt Susanne Abel am Schicksal einer zum Ende des Zweiten Weltkrieges aus ihrer schlesischen Heimat vertriebenen Familie deren traumatische Erfahrungen auf der monatelangen Flucht vor den nachrückenden russischen Armeen. Die Angst um das wenige gerettete Hab und Gut, vor Vergewaltigungen oder gar Erschießungen waren ständiger Begleiter. Zunächst unterwegs getrennt, finden die Familienmitglieder schließlich in Heidelberg bei Verwandten vorübergehend Aufnahme, dann sogar eine eigene Unterkunft. Greta, die Hauptperson, um die die gesamte Handlung sich dreht, erleben wir als junges Mädchen seit Beginn des Krieges bis in die Mitte der 50er-Jahre, wo sie bereits eine junge Frau ist. Auf einer zweiten Handlungsebene begegnet sie uns 2015/ 2016 als 84-jährige, von fortschreitender Demenz betroffene, alte Frau, die von ihrem Sohn Tom Monderath, ein bekannter Fernsehmoderator in Köln, so gut es geht betreut wird. Je mehr Greta der Bezug zur Gegenwart abhandenkommt, desto mehr lässt sie ihren Sohn das, was sie bisher vor ihm streng verborgen hielt, nach und nach wissen. Sie erzählt von ihrer Kindheit und Jugend in Schlesien, von den furchtbaren Fluchterfahrungen auf dem Weg durch das zerstörte Deutschland bis nach Heidelberg. Über das schlimmste Trauma seiner Mutter aber, das Tom per Zufall anhand eines versteckten Fotos entdeckt, auf welchem ein dunkelhäutiges, etwa vier Jahre altes Mädchen abgebildet ist, schweigt Greta nach wie vor hartnäckig, selbst dann, als Tom ihr das Foto zeigt. Neugierig geworden und innerlich aufgewühlt beginnt Tom zu recherchieren. Was er schließlich herausfindet, ist auch für ihn so belastend, dass ihm sein ganzes bisheriges Leben auf Sand gebaut scheint. Was immer er versucht, um seiner Mutter zu helfen, muss er am Ende doch feststellen, dass die Vergangenheit sich weder wiederholen, noch irgendetwas daran ändern oder gutmachen lässt. Die langen Schatten des Krieges breiten sich nun auch über ihm aus.

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