Literaturtreff mit Lis Grandl-Arnoldi

Literaturkreis im Café Miteinander am Mi. 21.1.2026 um 19 Uhr: Lis Grandl-Arnoldi stellt vor:
Klaus Mann: „Mephisto. Roman einer Karriere“.

Anders als im großen literarischen Vorbild, Johann Wolfgang von Goethes Drama „Faust“, ist gut hundert Jahre später die Figur des Mephisto nicht mehr der große Verführer Fausts zum Bösen im Kampf um dessen Seele, sondern selber der Verführte. Er lässt sich verführen von den Mächtigen des Nationalsozialismus, um des Ruhmes willen. Er biedert sich ihnen an und verrät damit alles, was ihm einmal wichtig und von Bedeutung war: seine Freunde, seine Familie, die Frau, die er angeblich liebte, und nicht zuletzt die Kunst, die ihm so wichtig ist. Damit verrät er sich selbst. Worum geht es?

Als Klaus Manns satirischer Roman „Mephisto“ 1936 im Amsterdamer Exilverlag „Querido“ erschien, war sein Autor längst selbst im Exil in Paris. Der Roman erzählt den skrupellosen Aufstieg des Schauspielers Hendrik Höfgen, der seine moralischen Werte für Ruhm und Macht verrät, inspiriert vom Leben des Schauspielers Gustaf Gründgens, mit dem Mann viele Jahre in einer Theatergruppe zusammenarbeitete und darüber hinaus eng befreundet war. Höfgen wird vom ambitionierten Künstler zum gefeierten Star des nationalsozialistischen Regimes, der durch seine Darstellung insbesondere in der Rolle des Mephisto in Goethes „Faust“ am Berliner Theater, zum „Affen der Macht“ und „Clown zur Zerstreuung der Mörder“ wird, bis er seinen Identitätsverlust erkennt. Aber da ist es bereits zu spät zur Umkehr. Er ist bereits in den Fängen der Mächtigen. Der Roman ist ein scharfes Zeitporträt des Opportunismus und eine Kritik am Faschismus.

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